Ebbe Weiss-Weingart

Ebbe Weiss-Weingart 1947-1998

Sammlung Deutsches Goldschmiedehaus Hanau, 9. April bis 2. Juli 2006

Eine herausragende Attraktion der Schmucksammlung des Deutschen Goldschmiedehauses Hanau ist die großzügige Stiftung von 250 Schmuckstücken der Goldschmiedemeisterin Ebbe Weiss-Weingart aus den Jahren 1947 bis 1998. Das vielseitige Schaffen der Künstlerin aus fünf Jahrzehnten wird jetzt zum ersten Mal in seiner Gesamtheit der Öffentlichkeit vorgestellt.

Halsschmuck mit Keshi-Perlen, Gold, 1965/66Ebbe Weiss-Weingart, 1923 in Nürnberg geboren, ließ sich nach ihrem Studium in Nürnberg und München im Jahre 1946 in Salem am Bodensee nieder. Die Künstlerin gehörte nach 1945 zu den ersten Goldschmiedinnen, die sich mit einer neuen Gestaltungssprache im Schmuck auseinandersetzten. Das Ausprobieren verschiedener Goldschmiedetechniken wie das Schweißen, Ätzen, Flammspritzen oder die Galvanoplastik machten ihr von Anfang an Spaß. Ihr Ziel war es nicht, das Gold auf Hochglanz zu polieren, vielmehr reizte es sie, ihrem Schmuck Strukturen und Aufbrechungen und somit eine ganz neue Lebendigkeit zu verleihen. Frühe Anhänger und Broschen aus Gold zeigen stark strukturierte Oberflächen, die von den Bildern des Tachismus beeinflusst sind.

Über viele Jahrzehnte hat Ebbe Weiss-Weingart immer wieder aufs Neue bewiesen, wie vielseitig die Schmuckgestaltung sein kann. Sie liebte es mit unedlen Materialien und neuen Techniken zu experimentieren: Ausgefallener, avantgardistischer Schmuck mit Perlen, Acryl, Straußenei, Koralle und Lapislazuli gehört ebenso zu ihrem Repertoire wie klassisch orientierte Arbeiten, in denen Brillanten oder üppig eingesetzte Farbsteine dominieren. In den neunziger Jahren entdeckte Ebbe Weiss-Weingart den chinesischen Jadestein, den sie in zahlreichen Broschen und Anhängern verarbeitete: Unterschiedliche Motive wie Drachen, Fische, Phönix, Masken oder das "taotie-Motiv" werden durch sparsamen Einsatz von Gold, Rubinen oder kleinen Brillanten phantasievoll ergänzt.

Brosche Drachenmotiv, Chinesischer Jade, Feingold, Silber sulfiert, Rubin, 1998

Viele Auszeichnungen und Preise, darunter zwei Staatspreise des Landes Baden-Württemberg, der Staatspreis des Landes Bayern und der Hessische Staatspreis, belegen die hohe Anerkennung, die ihre Arbeiten gefunden haben. Im Jahre 1978 wurde der Künstlerin der Goldene Ehrenring der Gesellschaft für Goldschmiedekunst e.V. verliehen, den außer ihr nur nur noch zwei andere Frauen tragen. Ebbe Weiss-Weingart war an vielen Ausstellungen in namhaften Museen im In- und Ausland vertreten, unter anderem in Tokyo, Helsinki, Paris und in den USA. Zur Ausstellung im Deutschen Goldschmiedehaus erscheint auch eine großzügig gestaltete Publikation mit Farbabbildungen aller 250 Schmuckstücke sowie Textbeiträgen von Peter Schmitt M.A.(stellvertretender Direktor des Badischen Landesmuseums Karlsruhe a.D.) und Andrea Richter-Mahlo (Leipzig). Der Katalog ist zum Preis von 18 Euro über das Deutsche Goldschmiedehaus zu beziehen.

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