Öllampe aus Konservendosen, Jemen

Einfälle für Abfälle

Kreatives Recycling in der Nachkriegszeit und in der Dritten Welt, Stadtmuseum Hofheim, 14. Mai bis 27. August 2006

Not macht erfinderisch, sagt ein altes Sprichwort. Diese Tugend war nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland ebenso gefragt wie heute in den Ländern der sog. Dritten Welt. Die Ausstellung im Stadtmuseum Hofheim am Taunus schlägt eine Brücke zwischen diesen ganz unterschiedlichen Zeiten und Kontinenten, um zu zeigen, wie eine Situation des Mangels die Erfindungsgabe des Menschen beflügelt und zu fantastischen Neuschöpfungen führt. Die Ausstellungsstücke sind das Ergebnis eines Recyclings der ganz besonderen Art: aus dem Stahlhelm wird ein Kochtopf, aus Blechdosen werden wunderbare Spielzeugautos oder aus Kronkorken schicke blitzende Handtaschen. Alle diese Dinge sind mit viel Erfindungsreichtum und Tüftelei aus den Materialen entstanden, die andere wegwarfen oder die einer neuen Verwendung zugeführt wurden. Sie sind dabei immer Spiegelbild einer ganz spezifischen geografischen und historischen Situation.

Spielzeugautos aus Blech, TansaniaRecyclingprodukte sind ein fester Bestandteil der Alltagskultur vieler Länder der Dritten Welt. Ein Gang über dortige Handwerkermärkte erscheint wie eine Zeitreise in die eigene Vergangenheit, bei der man ausgestorbene oder selten gewordene Handwerkstechniken sieht und hautnah erlebt, wie Not erfinderisch macht. Aus Blechdosen entstehen Henkeltassen, aus Autoreifen Sandalen, aus Glühbirnen Öllampen und aus Ölkanistern Gitarren. Das gilt auch für Spielzeug. Nur wenige Kinder in der Dritten Welt können sich gekauftes Spielzeug leisten. Autos aus Abfall stellen in der Dritten Welt Jugendliche her, denen es an Geld für den Kauf, aber nicht an der Kreativität zum Konstruieren fehlt. Mit einem Stein zum Schlagen, einem Nagel zum Bohren und einem Messer zum Trennen basteln sie aus Holz, Plastik, Draht, Blech und alten Gummisandalen Autos.

Besonders die von Kindern aus Abfallmaterial für sich selbst zum Spielen hergestellten Objekte – Fahrräder, Autos, Flugzeuge – sollen den Kindern in unserer Industrie- und Konsumgesellschaft die Lebensumstände ihrer Altersgenossen in den Ländern der Dritten Welt veranschaulichen und sie zu eigener kreativer Auseinandersetzung damit anregen.

Öllampe aus einer Glühbirne, Sri LankaIhre pfiffigen Konstruktionen erfordern eine gute Beobachtungsgabe, handwerkliches Geschick und Einfallsreichtum. Es entstehen neuartige Produkte, geschaffen aus eigenem Experimentieren. Mit diesen Fähigkeiten kann man sogar elegante Autos und anderes Spielzeug zum Verkauf an westliche Touristen herstellen. Viele der ausgestellten Recycling-Produkte sind mittlerweile bei uns begehrte Sammlerobjekte geworden. Gesammelt und zusammengestellt wurden die Objekte von Hans Schmidt aus Erzhausen. Sein Arbeitsgebiet ist seit vielen Jahren die Pädagogik der Naturwissenschaften in der Dritten Welt. Die Ausstellung mit umfangreichem Begleitprogramm wird veranstaltet in Zusammenarbeit mit dem Förderkreis Stadtmuseum Hofheim am Taunus e.V., Hans Schmidt (Erzhausen), Eine Weltladen Hofheim, Stadtbücherei Hofheim, Verein Partnerschaft Rheinland-Pfalz Ruanda e.V., Winfried Werzmirzowsky (Neu-Isenburg). Realisiert mit freundlicher Unterstützung durch den Förderkreis Stadtmuseum e.V., Mainova AG, InWEnt. Internationale Weiterbildung und Entwicklung gGmbH und Europäische Akademie Nordrhein-Westfalen, Bonn.

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