Die phantastischen Köpfe des Franz Xaver Messerschmidt
Liebieghaus Museum Alter Plastik, Frankfurt am Main, 15. November 2006 bis
11. März 2007
Franz Xaver Messerschmidt (1736–1783) ist einer der bis heute faszinierendsten
Bildhauer der Aufklärung des 18. Jahrhunderts. In Deutschland steht
der Künstler, dessen Bekanntheit weit über die Grenzen Europas
hinausreicht, damit erstmals im Fokus einer Ausstellung. Dank seines überragenden
Talents genoss Franz Xaver Messerschmidt
bereits als junger Bildhauer außerordentlichen Ruhm. Er arbeitete mit
großem Erfolg für Kaiserin Maria Theresia, eine der herausragenden
Herrscherinnen nicht nur des 18. Jahrhunderts; immer wieder ließen
sich auch bedeutende Gelehrte von ihm porträtieren. Messerschmidt interessierte
sich für die kunsttheoretischen Diskussionen, aber auch für naturwissenschaftliche
Zusammenhänge und wurde zu einem der fortschrittlichsten Künstler
seiner Zeit. .
In
den 1770er Jahren jedoch erfuhr seine viel versprechende Karriere, wohl aufgrund
einer Kollegenintrige, einen schmerzhaften Bruch. Er verließ Wien und
widmete sich fortan fast ausschließlich den Charakterköpfen. Selbst
wer mit dem Namen des Künstlers nichts verbindet, ist diesen berühmtesten
Werken Messerschmidts sicherlich schon einmal begegnet; der Bildhauer selbst
nannte sie nur "Köpfe" oder "Köpf-Stückhe".
Die Konfrontation mit den grimassierenden, clownesken, schreienden, lachenden,
starrenden, schnüffelnden Köpfen und ihre kraftvolle, gelegentlich
nahezu gewalttätige Ausstrahlung ist bis heute ein einzigartiges Erlebnis.
Ihre Mimik, die gleichzeitig irreal und natürlich ist, löst Befremden
und Faszination aus. Oft verbinden sie einen einfachen Büstenausschnitt
mit einem Maximum an grimassierendem Ausdruck.
Die Büsten, die durch ihre grotesken, mehrdeutigen und irritierenden
Gesichtsausdrücke faszinieren, spiegeln die neu formulierten Ideale
der Kunst der Aufklärung des späten 18. Jahrhunderts wider. In
dieser Zeit steht die Frage nach dem wahren Wesen des Menschen und seinen
Empfindungen, befreit von höfischen Konventionen, im Mittelpunkt der
Wissenschaften. Mediziner, Philosophen und Künstler lesen in Studien
und in der Selbstbeobachtung aus den Bewegungen des Körpers, vor allem
der Mimik des Gesichts, die Regungen der Seele. Messerschmidts Charakterköpfe
sind damit Instrumente der Erkenntnis und lassen sich als Kunstwerke im modernen
Sinn verstehen.
Zwanzig Charakterköpfe, von denen einige nur selten gezeigt werden, sowie Porträts, darunter eine nahezu
unbekannte Arbeit, wurden von bedeutenden Museen und Privatsammlungen aus
Österreich, Ungarn, Frankreich, der Slowakei, den USA und Deutschland
ausgeliehen. Der Katalog ist im Hirmer-Verlag erschienen und kostet in der
Ausstellung 29,90 €.
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Museum Alter Plastik