Gärten. Ordnung, Inspiration, Glück
Frankfurt, Städelsches Kunstinstitut, bis 11. März 2007
Gärten sind Erben des Paradieses, Inseln in Zeit und Raum und bieten
Menschen Schutz, Erholung und Inspiration. Sie sind Rückzugsort aus
den Wirren des Alltags, Spiegel der Seele, blühende Inspirationsquelle
und unerschöpflicher Fundus für immer neue Bildideen. Über
Jahrhunderte hinweg wurden Künstler von ihnen zu Meisterwerken angeregt.
Die Ausstellung widmet sich epochen- und gattungsübergreifend dem Motiv
des Gartens in der bildenden Kunst und präsentiert dessen
Darstellungsvielfalt anhand von über 200 Arbeiten aus international
bedeutenden Museen und Sammlungen.
Der gemalte Garten ist so vielfältig wie seine Bedeutungen: der Paradiesgarten
des Mittelalters bildet einen magischen Bezirk, aus dem alles Böse ausgeschlossen
bleibt, Peter Paul Rubens versammelt spielende Gesellschaften in herrschaftlichen
Schlossgärten; Jean-Antoine Watteau und Jean-Honoré Fragonard
entführen den Betrachter in prachtvolle Liebesgärten. Mit der Aufklärung
beginnt die psychologische Interpretation des Gartens. Caspar David Friedrich
sieht sich als Vermittler zwischen Mensch und Natur, Carl Spitzweg gibt Einblick
in kleine, bürgerliche Gärten und Adolf Menzel, Carl Blechen und
Lovis Corinth schließlich erblicken aus dem Atelierfenster keine grünen
Refugien mehr, sondern kleine, verwahrloste Hinterhöfe als erste Folgen
der Industrialisierung.
Die
Impressionisten wie Claude Monet legen üppig bepflanzte und phantasievoll
gestaltete Gärten an, um sie in farbenprächtigen, lichtdurchfluteten
Bildern festzuhalten. Auf den Gemälden von Auguste Renoir, Camille Pissarro
und Eduard Manet gehen Mensch und Natur eine symbiotische Verbindung ein.
Doch kann diese enge Beziehung auch in anderer Form ihren Ausdruck finden:
Für Vincent van Gogh wird der Garten zur Projektionsfläche seiner
Schwermut.
Die Suche nach Balance geht mit einem Blick ins Detail einher, der in den
Mikrokosmos der Pflanzen- und Rasenstücke führt. Arbeiten aus dem
Umfeld Dürers, Cranachs und Grünewalds geben Einblicke in die Schnitt
die Schnittstelle von Wissenschaft und Kunst. Von fremden Ländern fühlen
sich Künstler und Wissenschaftler in gleicher Weise angezogen. Alexander
von Humboldts Expeditionen bringen eine Fülle von Pflanzen nach Europa,
seine getrockneten Pflanzen stellen bis heute einen Fundus für die
botanische Forschung dar. Diese Anregungen bereicherten fortan die Palmenhäuser,
botanischen Gärten und auch Hausgärten. Eine besondere Attraktion sind
die Herbar-Belege Goethes. Auch Paul Klee hat im heimischen Dessau und im fernen
Italien Blumen gepflückt, sie gepresst und auf handkoloriertes Papier geklebt.
Botanische Kenntnis und ästhetisches Kalkül verknüpfen sich
in seinen Herbarien zu einer Hommage an die Einzigartigkeit der Natur und
die Gestaltungskraft der Kunst. Wie stark die einzelne Pflanze als Nucleus
einer Weltordnung wirken kann, wird 500 Jahre nach den Renaissance-Zeichnungen
in den Srbeiten von Joseph Beuy deutlich. Die Schweizer Künstler Peter Fischli
und David Weiss machen mit dem Medium der Diaprojektion Einzelheiten des
Gartens sichtbar, die so prächtig wie geheimnisvoll sind. Jeff Walls
"Sapling" lässt die Fragilität eines jungen Baumes so
subtil spürbar werden wie fast 500 Jahre zuvor Hans Weidlitz Zeichnungen
die Vergänglichkeit zarter Blumen.
Als beglückender Erlebnisraum, Ort der Ruhe und Inspirationsquelle
ist der Garten seit jeher ein fruchtbares Thema für die bildende Kunst,
das die Ausstellung in all seiner Pracht und seinen Facetten vor Augen führt.
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Städelschen Kunstinstitut Frankfurt