Claude Monet:
Der Garten des Künstlers in Giverny, 1896

Gärten. Ordnung, Inspiration, Glück

Frankfurt, Städelsches Kunstinstitut, bis 11. März 2007

Gärten sind Erben des Paradieses, Inseln in Zeit und Raum und bieten Menschen Schutz, Erholung und Inspiration. Sie sind Rückzugsort aus den Wirren des Alltags, Spiegel der Seele, blühende Inspirationsquelle und unerschöpflicher Fundus für immer neue Bildideen. Über Jahrhunderte hinweg wurden Künstler von ihnen zu Meisterwerken angeregt. Die Ausstellung widmet sich epochen- und gattungsübergreifend dem Motiv des Gartens in der bildenden Kunst und präsentiert dessen Darstellungsvielfalt anhand von über 200 Arbeiten aus international bedeutenden Museen und Sammlungen.

Oberrheinischer Meister: Das Paradiesgärtlein, um 1410/20Der gemalte Garten ist so vielfältig wie seine Bedeutungen: der Paradiesgarten des Mittelalters bildet einen magischen Bezirk, aus dem alles Böse ausgeschlossen bleibt, Peter Paul Rubens versammelt spielende Gesellschaften in herrschaftlichen Schlossgärten; Jean-Antoine Watteau und Jean-Honoré Fragonard entführen den Betrachter in prachtvolle Liebesgärten. Mit der Aufklärung beginnt die psychologische Interpretation des Gartens. Caspar David Friedrich sieht sich als Vermittler zwischen Mensch und Natur, Carl Spitzweg gibt Einblick in kleine, bürgerliche Gärten und Adolf Menzel, Carl Blechen und Lovis Corinth schließlich erblicken aus dem Atelierfenster keine grünen Refugien mehr, sondern kleine, verwahrloste Hinterhöfe als erste Folgen der Industrialisierung.

Die Impressionisten wie Claude Monet legen üppig bepflanzte und phantasievoll gestaltete Gärten an, um sie in farbenprächtigen, lichtdurchfluteten Bildern festzuhalten. Auf den Gemälden von Auguste Renoir, Camille Pissarro und Eduard Manet gehen Mensch und Natur eine symbiotische Verbindung ein. Doch kann diese enge Beziehung auch in anderer Form ihren Ausdruck finden: Für Vincent van Gogh wird der Garten zur Projektionsfläche seiner Schwermut.

John Frederick Lewis: Im Garten des Beis, 1865Die Suche nach Balance geht mit einem Blick ins Detail einher, der in den Mikrokosmos der Pflanzen- und Rasenstücke führt. Arbeiten aus dem Umfeld Dürers, Cranachs und Grünewalds geben Einblicke in die Schnitt die Schnittstelle von Wissenschaft und Kunst. Von fremden Ländern fühlen sich Künstler und Wissenschaftler in gleicher Weise angezogen. Alexander von Humboldts Expeditionen bringen eine Fülle von Pflanzen nach Europa, seine getrockneten Pflanzen stellen bis heute einen Fundus für die botanische Forschung dar. Diese Anregungen bereicherten fortan die Palmenhäuser, botanischen Gärten und auch Hausgärten. Eine besondere Attraktion sind die Herbar-Belege Goethes. Auch Paul Klee hat im heimischen Dessau und im fernen Italien Blumen gepflückt, sie gepresst und auf handkoloriertes Papier geklebt. Botanische Kenntnis und ästhetisches Kalkül verknüpfen sich in seinen Herbarien zu einer Hommage an die Einzigartigkeit der Natur und die Gestaltungskraft der Kunst. Wie stark die einzelne Pflanze als Nucleus einer Weltordnung wirken kann, wird 500 Jahre nach den Renaissance-Zeichnungen in den Srbeiten von Joseph Beuy deutlich. Die Schweizer Künstler Peter Fischli und David Weiss machen mit dem Medium der Diaprojektion Einzelheiten des Gartens sichtbar, die so prächtig wie geheimnisvoll sind. Jeff Walls "Sapling" lässt die Fragilität eines jungen Baumes so subtil spürbar werden wie fast 500 Jahre zuvor Hans Weidlitz Zeichnungen die Vergänglichkeit zarter Blumen.

Als beglückender Erlebnisraum, Ort der Ruhe und Inspirationsquelle ist der Garten seit jeher ein fruchtbares Thema für die bildende Kunst, das die Ausstellung in all seiner Pracht und seinen Facetten vor Augen führt.

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