Fälschung! Vortragsreihe HLB Wiesbaden

Fälschung!

Vortragsreihe in Kooperation mit der vhs Wiesbaden, Hessische Landesbibliothek Wiesbaden, Februar und März 2007

Fälschungen haben in den letzten Jahren immer wieder Medien und Öffentlichkeit beschäftigt. Spektakuläre Fälle betrafen Geschichtswissenschaft Hitler-Tagebücher), Kunst (Vermeer) und zuletzt verstärkt auch die Naturwissenschaften (gefälschte Ergebnisse des Stammzellenforschers Hwang). Die zahlreichen aufgedeckten Fälschungen korrespondieren mit einer weitreichenden Verunsicherung der Öffentlichkeit in einer Welt, die zunehmend von Virtualität und Simulationen geprägt ist und die Erfahrung von Authentizität und Echtheit verliert.

John Myatt alias Pablo PicassoIn der gemeinsamen Vortragsreihe von vhs und Landesbibliothek werdenVertreter der Philosophie/Medienethik, der Kunstgeschichte und der Literaturwissenschaft das Thema Fälschung an Beispielen ihres jeweiligen Fachgebiets beleuchten und aus unterschiedlichen Perspektiven nach den Gründen des Erfolgs von Fälschungen und ihrer Aufdeckung fragen.

"Plagiat, Pastiche, Parodie – Formen literarischer Fälschung": Dass die Kunst die Wirklichkeit nachahmt (Mimesis), ist eine der altehrwürdigen Kategorien der Literaturtheorie. Brisant wird es dagegen, wenn ein Autor einen anderen nachahmt oder von ihm abschreibt, wie die jüngste Diskussion um die Übereinstimmungen in den Romanen zweier deutschtürkischer Autoren erneut vor Augen geführt hat. Das Plagiat ist aber nur eine Variante auf einer ganzen Skala von Formen, die von der Fälschung über das Plagiat und die neutrale Stilimitation (das Pastiche) bis zur satirischen Parodie reicht. Der Vortrag gibt an ausgewählten Beispielen einen Einblick in die Literaturgeschichte dieser "Fälschungen". Hochschuldozent Dr. Axel Dunker, Mainz, Donnerstag, 15. Februar, 19.30 Uhr, Eintritt 4,- €.

M.C. Escher: Zeichnende Hände, 1948"F for Foax – Fälschungen in der Kunstgeschichte": "Für Kunstkritiker und Kunsthistoriker stellt das Erkennen von Kopien und Falsifikaten seit jeher eine der Hauptaufgaben ihrer Tätigkeit dar", schreibt der Wissenschaftshistoriker Federico Di Trocchio 1992 in seinem Buch "Der große Schwindel". Fälle wie der des Physikers John Drewe und des Malers John Myatt, die zwischen 1986 und 1996 gefälschte Kunstwerke auf den Markt brachten, zu denen sie auch gleich die entsprechenden Herkunftsgeschichten gefälscht hatten, halten bis heute Museen von Weltrang in Atem. Doch zugleich sagen Fälschungen sehr viel über die Gesellschaft aus, in der sie erdacht, hergestellt und verkauft werden. In seinem Vortrag wird Henry Keazor einige signifikante Beispiele für Fälschungen aus unterschiedlichen Epochen der Kunstgeschichte darstellen und ihre jeweils zeitgebundene Entstehung und Wirkung diskutieren. Privatdozent Dr. Henry Keazor, Frankfurt, Donnerstag, 1. März, 19.30 Uhr, Eintritt 4,- €.

"Original und Kopie – Spiegelungen in der Medienethik": Wie muss in einer Gesellschaft, die von Vervielfältigung in und durch die Medien geprägt ist, eine Medienethik aussehen? Herkömmliche Moralverständnisse gehen von einem geschützten Urheberrecht aus, das nicht in allen Kulturkreisen und zu allen Zeiten selbstverständlich war und ist und mit zunehmender Digitalisierung fragwürdiger wird. Fallbeispiele rund um das Thema Kopie und Original, vor allem aus Wissenschaft und Journalistik, veranschaulichen das Spannungsfeld des ethischen Dilemmas. Ihre Analyse führt zu möglichen Lösungsansätzen, die die Rechte der Autoren berücksichtigen und darüber hinausgehen. Dr. Achim Köddermann, Professor der Philosophie, State University New York, Donnerstag, 15. März, 19.30 Uhr, Eintritt 4,- €.

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