Fälschung!
Vortragsreihe in Kooperation mit der vhs Wiesbaden, Hessische Landesbibliothek
Wiesbaden, Februar und März 2007
Fälschungen haben in den letzten Jahren immer wieder Medien und Öffentlichkeit
beschäftigt. Spektakuläre Fälle betrafen Geschichtswissenschaft
Hitler-Tagebücher), Kunst (Vermeer) und zuletzt verstärkt auch die
Naturwissenschaften (gefälschte Ergebnisse des Stammzellenforschers Hwang).
Die zahlreichen aufgedeckten Fälschungen korrespondieren mit einer
weitreichenden Verunsicherung der Öffentlichkeit in einer Welt, die
zunehmend von Virtualität und Simulationen geprägt ist und die
Erfahrung von Authentizität und Echtheit verliert.
In der gemeinsamen Vortragsreihe von vhs und Landesbibliothek werdenVertreter
der Philosophie/Medienethik, der Kunstgeschichte und der Literaturwissenschaft
das Thema Fälschung an Beispielen ihres jeweiligen Fachgebiets beleuchten
und aus unterschiedlichen Perspektiven nach den Gründen des Erfolgs von
Fälschungen und ihrer Aufdeckung fragen.
"Plagiat, Pastiche, Parodie – Formen literarischer
Fälschung": Dass die Kunst die Wirklichkeit nachahmt
(Mimesis), ist eine der altehrwürdigen Kategorien der Literaturtheorie.
Brisant wird es dagegen, wenn ein Autor einen anderen nachahmt oder von ihm
abschreibt, wie die jüngste Diskussion um die Übereinstimmungen in
den Romanen zweier deutschtürkischer Autoren erneut vor Augen geführt
hat. Das Plagiat ist aber nur eine Variante auf einer ganzen Skala von Formen,
die von der Fälschung über das Plagiat und die neutrale Stilimitation
(das Pastiche) bis zur satirischen Parodie reicht. Der Vortrag gibt an
ausgewählten Beispielen einen Einblick in die Literaturgeschichte dieser
"Fälschungen". Hochschuldozent Dr. Axel Dunker, Mainz, Donnerstag, 15.
Februar, 19.30 Uhr, Eintritt 4,- €.
"F
for Foax – Fälschungen in der Kunstgeschichte":
"Für Kunstkritiker und Kunsthistoriker stellt das Erkennen
von Kopien und Falsifikaten seit jeher eine der Hauptaufgaben ihrer Tätigkeit
dar", schreibt der Wissenschaftshistoriker Federico Di Trocchio 1992
in seinem Buch "Der große Schwindel". Fälle wie der
des Physikers John Drewe und des Malers John Myatt, die zwischen 1986
und
1996 gefälschte Kunstwerke auf den Markt brachten, zu denen sie auch
gleich die entsprechenden Herkunftsgeschichten gefälscht hatten, halten bis
heute Museen von Weltrang in Atem. Doch zugleich sagen Fälschungen sehr viel
über die Gesellschaft aus, in der sie erdacht, hergestellt und verkauft werden.
In seinem Vortrag wird Henry Keazor einige signifikante Beispiele
für
Fälschungen aus unterschiedlichen Epochen der Kunstgeschichte darstellen
und ihre jeweils zeitgebundene Entstehung und Wirkung diskutieren. Privatdozent
Dr. Henry Keazor, Frankfurt, Donnerstag, 1. März, 19.30 Uhr, Eintritt
4,- €.
"Original und Kopie – Spiegelungen in der Medienethik": Wie muss in einer Gesellschaft, die von Vervielfältigung in und durch die
Medien geprägt ist, eine Medienethik aussehen? Herkömmliche
Moralverständnisse gehen von einem geschützten Urheberrecht aus, das
nicht in allen Kulturkreisen und zu allen Zeiten selbstverständlich war und
ist und mit zunehmender Digitalisierung fragwürdiger wird. Fallbeispiele rund
um das Thema Kopie und Original, vor allem aus Wissenschaft und Journalistik,
veranschaulichen das Spannungsfeld des ethischen Dilemmas. Ihre Analyse führt
zu möglichen Lösungsansätzen, die die Rechte der Autoren
berücksichtigen und darüber hinausgehen. Dr. Achim Köddermann,
Professor der Philosophie, State University New York, Donnerstag, 15. März,
19.30 Uhr, Eintritt 4,- €.
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