Brice Marden: Untitled (Window Study #2), 1985

Brice Marden / Lines, Grids, Stains, Words

Brice Marden, Jawlensky-Preisträger. Retrospektive der Druckgraphik / Lines, Grids, Stains, Words. Zeichnungen der Minimal Art aus der Sammlung des MoMA. Ausstellungen Museum Wiesbaden, bis 18. Januar 2009

Mit einer hochkarätigen Doppelausstellung amerikanischer Kunst eröffnet das Museum Wiesbaden die Herbstsaison: Die Retrospektive zum druckgraphischen Werk des Alexej-von-Jawlensky-Preisträgers Brice Marden und die Ausstellung Lines, Grids, Stains Words mit Zeichnungen der Minimal Art aus der Sammlung des Museum of Modern Art New York.

Die über 40-jährige Entwicklung der Druckgraphiken im Werk Brice Mardens wird in Form einer Retrospektive aufgeblättert wird – ergänzt um ausgewählte Gemälde und Zeichnungen aus verschiedenen Arbeitsphasen. Bereits in den 1960er Jahren wendet sich Marden, der als Romantiker innerhalb der Moderne gilt, intensiv der Zeichnung und der Druckgraphik (Radierung, Lithographie und Siebdruck) zu. Mehr und mehr werden es diese von ihm meisterhaft beherrschten Medien und Techniken, in denen er, manchmal über Monate oder gar Jahre hinweg, an seinen künstlerischen Themen arbeitet. Es gibt kaum ein Gemälde von Marden, dem nicht wenigstens eine farbige Skizze und später ganze Serien von Radierungen, Lithografien und Zeichnungen vorausgehen. Nicht ohne Grund misst der Künstler der Zeichnung daher gleiche Bedeutung zu wie dem Gemälde und sieht die Druckgraphik zwischen beiden Polen.

Anders als die Gemälderetrospektive der Jahre 2006 und 2007, die in New York, San Francisco und Berlin zu sehen war, lenkt die Wiesbadener Brice Marden-Ausstellung die Aufmerksamkeit des Betrachters auf diese Reise von der ersten intimen Skizze über die Erprobung komplexer und vielfältiger Bildaspekte in der Druckgraphik bis hin zum reduzierten Statement des Gemäldes und bietet damit einen vertiefenden Blick auf 40 Jahre künstlerischer Arbeit, der in dieser Form – mit Ausnahme einer Auswahlpräsentation der Londoner Tate zu Anfang der 1990er Jahre – bislang nicht Thema einer Ausstellung gewesen ist.

Gezeigt werden 120 Radierungen, Lithografien und Siebdrucke, darunter erstmals auch das seit 2004 erworbene Konvolut der im Kontext des Jawlensky-Preises getätigten Museumserwerbungen, sowie 20 Zeichnungen und 10 Gemälde. Die Ausstellung wird begleitet durch einen zweisprachigen Katalog mit einem Textbeitrag von Jeremy Lewison, dem weltweit besten Kenner von Brice Mardens druckgraphischem Werk.

Polly Apfelbaum: Stolen Kisses, 2002Die Ausstellung "Lines, Grids, Stains, Words" umfasst rund 80 Einzel- und Serienarbeiten auf Papier von 48 Künstlerinnen und Künstlern aus der Sammlung des Museum of Modern Art New York, darunter Werke von Carl Andre, Polly Apfelbaum, Joseph Beuys, Mona Hatoum, Eva Hesse, Roni Horn, Donald Judd, Ellsworth Kelly, Yayoi Kusama, Sol Lewitt, Brice Marden, Agnes Martin, Howardena Pindell und Robert Ryman.Alle Arbeiten eint die scheinbar einfache Sprache der Minimal Art mit den von ihren Protagonisten bevorzugten Strategien der Nutzung von Linie, Raster, monochromer Farbfläche und Bildtext sowie einzelnen künstlerischen Arbeitsprinzipien des Reißens, Faltens oder Markierens. Umso überraschender ist die Beobachtung, in welchem Ausmaß das Medium der Zeichnung der künstlerischen Hand Raum gibt und das Verhältnis zum menschlichen Körper dadurch veränderte Dimensionen erhält.

In der Ausstellung beginnt diese "Spurensuche nach den Überresten einer körperhaften Ausdrucksform in der Minimal Art" (Glenn Lowry) mit einer Fensterstudie von Ellsworth Kelly aus dem Jahre 1949, konzentriert sich dann auf die Zeit der 1960er und frühen 1970er Jahre, als die Künstler der Minimal Art ihre neuen und damals radikalen Strategien experimentell erproben und setzt sich fort bis zur Kodifizierung dieser Strategien als einer von nachfolgenden Künstlergenerationen zur Aneignung verfügbaren Konvention. Die Ausstellung wurde im Jahre 2007 zeitgleich zur Richard Serra-Retrospektive im MoMA in New York gezeigt, war im Frühjahr 2008 im Museu de Serralves in Porto einer Einzelausstellung von Bruce Nauman zur Seite gestellt und ist in Wiesbaden nun parallel zur Ausstellung des Jawlensky-Preisträgers Brice Marden zu sehen. Der zweisprachige Katalog umfasst Abbildungen aller in der Ausstellung gezeigten Einzelarbeiten und Serien sowie eine Einführung von Christian Rattemeyer, dem Harvey S. Shipley Miller Associate Curator of Drawings des Museum of Modern Art New York.

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