Gypsmühle

Eugen Bracht (1842-1921)

Museum Giersch, Frankfurt, 25. September 2005 bis 29. Januar 2006

Eugen Bracht (1842-1921), ein Landschaftsmaler mit impressionistischer Pinselführung und dem Blick eines Panoramamalers, überrascht und fasziniert noch heute durch sein fulminantes Werk. Spröde Landschaften wie die Lüneburger Heide machte er Eugen Bracht (1842-1921), ein Landschaftsmaler mit impressionistischer Pinselführung und dem Blick eines Panoramamalers, überrascht und fasziniert noch heute durch sein fulminantes Werk. Spröde Landschaften wie die Lüneburger Heide machte er bei seinen Zeitgenossen salonfähig. Gleißende, staubige Wüstenregionen sah er ohne folkloristische Klischees, vergletscherte Gebirgsmassive der Hochalpen zeigte er in ihrer monumentalen Erscheinung. Bracht erlag nie dem flüchtigen Reiz des rein Visuellen, sondern verband gedankliche Tiefe mit kompositorischer Sorgfalt und malerischer Frische zu stimmungsvollem Ausdruck.

Gestade der Vergessenheit In der deutschen Landschaftsmalerei um 1900 bilden Brachts imponierende Naturschilderungen Höhepunkte, mit denen er die große Tradition dieser Gattung aus dem 19. Jahrhundert in die Moderne führte. Dabei wurzelte seine Malerei in der Darmstädter Romantik, deren Vorliebe für die Landschaftsmalerei er als junger Schüler übernahm. Sein Karlsruher Studium bei den führenden Landschaftsmalern Johann Wilhelm Schirmer und Carl Friedrich Lessing vermittelte ihm die Bedeutung intensiven Naturstudiums, den Reiz unspektakulärer Naturausschnitte sowie eine Neigung zur historischen Dimension in der Landschaft. Fortan prägten genaue Naturbeobachtung, phantasievolle Bildgestaltung und Landschaften mit ur- und frühgeschichtlichen Spuren das vielschichtige Schaffen Eugen Brachts. Der Umgang mit der Photographie schärfte seinen Blick für eine unmittelbare, wirkungsmächtige Darstellungsweise.

Das Matterhorn von WestenErste Erfolge verzeichnete der junge Maler in den 1870er Jahren mit naturalistischen Schilderungen der Lüneburger Heide, einem extremen, bis dahin nicht als bildwürdig erachteten Landschaftstyp, den er ähnlich auch auf Rügen und in den Ardennen fand. Naturnähe und photographische Genauigkeit der Wiedergabe kennzeichnen ebenfalls seine Wüstenlandschaften aus dem Vorderen Orient und seine Gebirgsmassive aus den Walliser Hochalpen der 1880er Jahre. Naturalismus und Symbolismus verdichtete Bracht in seinem bekanntesten Werk – „Das Gestade der Vergessenheit“ – zu einer schroffen und zugleich überwältigenden Phantasielandschaft, die seinen Nachruhm begründete.

Als anerkannter Lehrer an der Hochschule der bildenden Künste in Berlin führte Bracht zahlreiche öffentliche Aufträge aus. In den 1890er Jahren vollzog sich dann in seinem Schaffen eine entscheidende Wende, in der sich sowohl Selbstzweifel als auch die Kämpfe zwischen akademischer und secessionistischer Künstlerschaft widerspiegeln. In Freilichtgemälden aus dem Harz, der Mark Brandenburg und Mecklenburg rückte Bracht von Detailnaturalismus und Symbolismus ab und entwickelte eine freie Malweise, ein frisches Kolorit und eine flächenbetonte Bildanlage. Damit bezog er in dem Spannungsfeld zwischen Tradition und Avantgarde Position für die Moderne, so dass ihm die offizielle Kunstpolitik Wilhelms II. die Anerkennung verweigerte.
Unbeirrt verfolgte der Künstler den eingeschlagenen Weg. Er wechselte an die Dresdener Kunstakademie und entdeckte die sächsische Landschaft als neues Studiengebiet. Abermals erweiterte er mit Industrieansichten, aber auch mit Wolken- und Baumdarstellungen sein Motivrepertoire. Eine helle Palette und ein spontaner, offener Farbauftrag lösten seine Motive in atmosphärisch-stimmungsvolle Impressionen auf.
Die Retrospektive im MUSEUM GIERSCH ermöglicht eine Wiederentdeckung des zu Lebzeiten viel beachteten Künstlers. Mit 86 Gemälden und Ölstudien, darunter lange nicht gezeigte Werke, gibt die Schau den Besuchern einen umfassenden Einblick in sämtliche Schaffensphasen und Motivgruppen des vielseitigen Landschaftsmalers. In seiner Kunst spiegelt sich die Landschaftsauffassung einer ganzen Epoche, als deren herausragender Repräsentant Eugen Bracht zu galten hat.

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